Koordiniert vom Museumsverband für Niedersachsen und Bremen e.V. (MVNB) und gefördert durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste gehört das Projekt zu den ersten systematischen Untersuchungen indonesischer Sammlungen in Niedersachsen.
Untersucht werden Bestände, die zwischen 1830 und 1930 erworben wurden und über 1.400 Sub- und Objekte umfassen. Darunter befinden sich menschliche Überreste, geheim-sakrale Objekte, rituelle Gegenstände, Textilien, Manuskripte und naturkundliche Präparate, die heute in den musealen und universitären Beständen in Hannover, Hildesheim, Göttingen, Oldenburg, Emden und Braunschweig verwahrt werden. Ihr Erwerb erfolgte innerhalb kolonialer Kontexte über komplexe Netzwerke des Austauschs zwischen Indonesien, den Niederlanden und Deutschland.
Im Landesmuseum Hannover befinden sich etwa 1.500 Objekte aus dem heutigen Indonesien. Die Zeitspanne des Erwerbs reicht von den 1850er-Jahren, etwa frühe Bestände aus den ehemaligen Sammlungen des hannoverschen Königshauses bis zu rezenten Zugängen und Ankäufen. Besonders umfangreich sind die Bestände des Pflanzers Thedel Eduard Georg August Arthur Stalmann (1857-1911) aus Hannover, dessen Sammlung im Rahmen des Verbundprojekts näher untersucht wird.
In der ersten Projektphase wurden die Biografien von insgesamt 51 »Sammlern« rekonstruiert, die eine vielfältige Gruppe von Akteuren, darunter Wissenschaftler, Ärzte, Missionare, Kaufleute und Kolonialbeamte, offenbaren, deren Tätigkeiten sich über den gesamten indonesischen Archipel erstreckten. Die Ergebnisse zeigen, wie menschliche Überreste und Objekte rituellen oder wissenschaftlichen Wissens aus ihren ursprünglichen Kontexten gelöst, unter europäische Klassifikationen gestellt und innerhalb imperialer Systeme von Wissen und Prestige zirkuliert wurden. Sie verdeutlichen, wie koloniale Hierarchien epistemische Autorität und Sammlungspraxis formten.
Das Projekt arbeitet mit Partner:innen in Indonesien und den Niederlanden zusammen, um diese Asymmetrien aufzudecken, gemeinsame Ansätze im Umgang mit den Beständen zu entwickeln und zu einem transparenten und dekolonialen Verständnis des indonesischen Erbes in den musealen und universitären Sammlungen in Niedersachsen beizutragen.