ethnografische und anthropologische kriegsbeute aus militärischen expeditionen in deutsch-ostafrika
Das Landesmuseum Hannover fördert Forschung zu den Sammlungen des Hauses und verpflichtet sich dazu, ein größtmögliches Maß an Transparenz im Umgang mit der Geschichte und dem Inhalt der Sammlungen zu gewährleisten. Daher gehört es zu den Aufgaben des Landesmuseums Hannover, externe Forschungsprojekte als Kooperationspartnerin zu unterstützen und Zugang zu den Sammlungen und Archiven des Hauses zu gewährleisten. In diesem Sinne beteiligte sich das Landesmuseum Hannover am Forschungsprojekt »Ethnografische und anthropologische Kriegsbeute aus militärischen Expeditionen in Deutsch-Ostafrika als Sammlungsgut für deutsche Museen«, geleitet von Prof. Dr. Brigitte Reinwald und durchgeführt von Eva Künkler M.A. (beide Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover) in Zusammenarbeit mit Flower Manase (National Museum of Tanzania) und finanziert vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste.
Die ethnologische Sammlung des Landesmuseum Hannover beherbergt eine kleine Sammlung von kulturellen Gegenständen der Wanyaturu aus der Region Singida in Zentraltansania. Diese waren Teil einer sehr viel größeren Ansammlung von ca. 170 Kulturgütern der Wanyaturu, die durch Gideon von Grawert 1899 aus dem damaligen Deutsch-Ostafrika an das Königliches Museum für Völkerkunde Berlin, heute Ethnologisches Museum Berlin, verbracht wurden. Von dort aus wurden sechs Objekte 1902 nach Hannover abgegeben.
Gideon von Grawert war Stationschef der Militärstation in Kilimatinde, von wo aus er zwischen 1897 und 1899 mehrere Militärzüge gegen die Bewohner*innen der Region Singida anführte. In der Kolonie Deutsch-Ostafrika (heute Tansania, Ruanda und Burundi) fanden zwischen 1885 und 1918 weit über 200 Militäraktionen gegen lokale Bevölkerungen statt. Plünderungen stellten einen systematischen Bestandteil dieser kolonialen Militäreinsätze dar.
Im Rahmen des Forschungsprojekts »Ethnografische und anthropologische Kriegsbeute aus militärischen Expeditionen in Deutsch-Ostafrika als Sammlungsgut für deutsche Museen« wurde ethnografische und anthropologische Kriegsbeute aus Deutsch-Ostafrika als strukturelles Phänomen kolonialmilitärischer Handlungen und Sammlungsgut für deutsche ethnologische Museen untersucht. Das Projekt beinhaltete eine historiografische Grundlagen- und Kontextforschung zu militärisch bedingten Plünderungen sowie qualitative Forschung in der Region Singida. In Gesprächen mit den heutigen Wanyaturu der Region gingen die Projektmitarbeiterinnen Eva Künkler und Flower Manase der Frage nach, wie die Anwesenheit der Deutschen Militärmacht in der Region erinnert wird und welche Bedeutung Angehörige der Wanyaturu den in der Kolonialzeit geplünderten Kulturgütern heute zuschreiben.
Auf Einladung des Projekts reiste die Kuratorin der ethnologischen Sammlung Mareike Späth für das Landesmuseum Hannover im März 2026 nach Singida und nahm dort an der Abschlusskonferenz des Forschungsprojekts teil, um gemeinsam mit deutschen und tansanischen Wissenschaftler*innen, Vertreter*innen der Wanyaturu und des tansanischen Staates über die Projektergebnisse und die Bedeutung der Besitztümer der Wanyaturu zu diskutieren.
Lesen Sie hier den Abschlussbericht des Projekts in Deutscher oder Englischer Sprache
Kategorisiert in: Forschungsprojekte
Dieser Artikel wurde verfasst von Mathias Prinz
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