wissenschaftliche erschließung des kupferstichkabinetts

Die graphische Sammlung im Landesmuseum Hannover gewährt mit ihren über 20.000 Handzeichnungen und Druckgraphiken einen exzellenten Einblick in das vielfältige Geschehen der europäischen Kunstgeschichte vom späten Mittelalter bis in das frühe 20. Jahrhundert.

Hunderte Werke Dürers, so sein berühmter Hieronymus im Gehäuse, zahlreiche italienische Handzeichnungen, darunter ein Skizzenblatt aus dem Umkreis Leonardo da Vincis, hunderte Werke Rembrandts, die epochalen Caprichos des Francisco de Goya, eine Landschaft Camille Pissarros sowie hunderte Zeichnungen und Graphiken Max Liebermanns, Max Slevogts und Lovis Corinths stehen hier beispielhaft für den künstlerischen Reichtum unseres Kupferstichkabinetts.

Um diesen Schatz für die Wissenschaft und den Besucher leichter zugänglich zu machen, arbeiten wir derzeit an der digitalen Erschließung unseres gesamten graphischen Bestandes. Dazu wird jedes Blatt einzeln aus seiner Archivbox entnommen, statistisch erfasst, konservatorisch begutachtet und digital photographiert. Parallel dazu werden die Daten der alten handschriftlichen Inventarkarten in digitaler Form neu erstellt. In einem zweiten Schritt werden die Informationen zum Werk und seine Abbildung in einer Datenbank zusammengeführt. Auf der so geschaffenen Grundlage erfolgt die abschließende kunstgeschichtliche Würdigung der Kunstwerke in einem Katalog sowie deren konservatorische Betreuung.

In kleinen Wechselausstellungen präsentieren wir ausgewählte Blätter, und auf Wunsch werden dem Besucher die sonst sorgfältig in Schränken aufbewahrten Werke zu Studium und Genuss vorgelegt. Die beschriebene konservatorische und kunsthistorische Erschließung und eine Neuordnung der Blätter erlauben es künftig dem Besucher des Kupferstichkabinetts, seine nach Künstlern, Kunstlandschaften und Epochen geordneten Bestände mit Muße zu durchdringen.

forschungsprojekt zur sammlung wallmoden

Die Hannoveraner Kunstsammlung des Reichsgrafen und illegitimen Sohns König Georgs II., Johann Ludwig Wallmoden-Gimborn (1736-1811), zählte bis zu ihrer Auflösung in einer Auktion im Jahre 1818 zu den bedeutendsten in Norddeutschland. Im Rahmen der großen Niedersächsischen Landesausstellung vom 17. Mai bis zum 5. Oktober 2014 führte das Landesmuseum Hannover rund 200 Jahre nach ihrer Zerstreuung über ganz Europa und Nordamerika erstmals Teile der Wallmoden-Galerie wieder in Hannover zusammen. Sie gewährte einen faszinierenden Einblick in das feudale Sammlungswesen des späten Ancien Régime, an der Epochenschwelle zum Aufbau bürgerlicher Hannoveraner Sammlungen von Bernhard Hausmann oder August und Hermann Kestner, und betrifft somit einen Schlüsselmoment der niedersächsischen Kunst- und Kulturgeschichte. Zugleich weist die Wallmoden-Galerie nicht erst durch ihre auktionsbedingte Zerstreuung weit über Deutschland hinaus. Wallmoden, der sich militärisch an der – zunächst vergeblichen – Abwehr der Feldzüge von Napoleons Revolutionsarmee beteiligte, wurde bei seinen in den 1760er Jahren gefällten Kaufentscheidungen von Johann Joachim Winckelmann (1717-1768) beraten, der 1763 von Papst Clemens XIII. zum Oberaufseher für die Altertümer in Rom ernannt worden war.

forschungsprojekt KENOM

kooperative erfassung numismatischer objektdaten in münzsammlungen

Bei KENOM geht es um die gemeinsame Entwicklung einer Infrastruktur für ein »Virtuelles Münzkabinett«- Länder und Sammlungstypen übergreifend. Die vier Säulen der zu entwickelnden webbasierten und bebilderten Datenbank sind Erfassungsmodule für Münzen, Medaillen, Papiergeld und Fundmünzen. Es kooperieren verschiedene Partner aus Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt, die Testdaten für unterschiedliche fachliche Schwerpunkte aus Antike, Mittelalter, Neuzeit, Medaillenkunde, Papiergeldgeschichte und Fundnumismatik eingeben bzw. aufbereiten: das Universitätsmünzkabinett Göttingen im Archäologischen Institut, das Fundmünzenarchiv der Thüringischen Landesarchäologie in Weimar, das ehemalige Königliche Münzkabinett im Landesmuseum Hannover, das Landesmünzkabinett Sachsen-Anhalt der Stiftung Moritzburg in Halle/Saale und die Papiergeldsammlung der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek in Kiel. Eingebracht werden verschiedene Vorerfahrungen der Kooperationspartner u. a. des Münzkabinetts in Hannover, der Gitta-Kastner-Stiftung in der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, des Fundkatalogs der Numismatischen Kommission und der Verbundzentrale des Göttinger Bibliotheksverbundes mit der Vernetzung von Bibliotheken und anderer Kultureinrichtungen (z.B. Portal Kulturerbe Niedersachsen). Weiterer Partner bei der Entwicklung ist die Programmfabrik Berlin mit einer Applikation der Software easydb.

Ziel des DFG- Projektes KENOM ist es, die digitale Präsenz wissenschaftlich aufbereiteter Münzbestände deutlich zu erhöhen und dauerhaft durch die Bereitstellung entsprechender Werkzeuge die Erschließung zahlreicher weiterer Bestände zu ermöglichen. Durch die großräumige länderübergreifende Vernetzung von Sammlungen in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Thüringen sowie durch die Integration verschiedener Sammlungstypen soll ein breites Spektrum der Nachnutzbarkeit gewährleistet werden. Im Projekt soll eine Infrastruktur entwickelt und ein durchgängiger Arbeitsablauf definiert werden, der es auch kleinen Institutionen ohne ausgebildeten Numismatiker mit vertretbarem Aufwand ermöglicht, online Bestandinformationen über die neu zu entwickelnde Plattform anzubieten. Das Projekt soll nach Abschluss einen komfortablen Zugang über ein ‚Virtuelles Münzkabinett‘ zu den bisher nur ausgewählten Spezialisten offen stehenden Magazinbeständen erlauben. Unabhängig davon wird ein Beitrag zur Digitalisierung großer Mengen von Material geleistet werden, um die Präsenz der deutschen Sammlungen sowohl national – unter anderem in der kommenden Deutschen Digitalen Bibliothek – und international – in der Europeana – zu erhöhen. (Gemeinsamer Bibliotheksverbund)