kunst für den tod. die neuirischen schnitzwerke aus hiltrup

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Auf der Insel Neuirland, die zu Papua-Neuguinea gehört, hat sich eine besondere Form der Trauerarbeit herausgebildet, die sich unter anderem in kunstvollen und sehr außergewöhnlichen Schnitzarbeiten manifestiert. Alles, was mit diesem Themenkomplex in Verbindung steht, wird als Malangan bezeichnet, sowohl die Trauerarbeit als auch die Schnitzwerke.

Ein Malangan-Fest beendet die Tabuphase, die nach dem Tod eines Mitglieds der Gemeinschaft seinen Mitmenschen auferlegt wird. Dabei gibt es neben der Zurschaustellung der hölzernen Repräsentationen von kürzlich Verstorbenen und Ahnen immer auch ein großes Festmahl. Die Trauerfeiern in Neuirland sind die Kulmination sozialen Lebens.

Die entsprechenden Schnitzwerke werden von Spezialisten angefertigt, welche für ihre Arbeit von der Familie eines Verstorbenen früher mit Nahrung versorgt wurden und heute mit Geld bezahlt werden. Einige Bildelemente sind dem Schnitzer vorgegeben, die Kombination und endgültige Form sieht er jedoch im Traum. Die Herstellung der Werke dauert häufig mehrere Wochen und findet im Geheimen statt.

Nach den Zeremonien wurden die teils sehr aufwendig gefertigten Skulpturen nicht mehr benötigt und konnten daher an Sammler abgegeben werden. Die Provenienz von Malangan-Schnitzwerken wird daher in Museumssammlungen meist als unproblematisch bewertet.

Im Mutterhaus der Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu in Hiltrup befand sich seit Ende der 1920er Jahre eine herausragende Sammlung. Ein Großteil davon wurde von Patres gesammelt, die viele Jahre in Missionsstationen auf Neuirland tätig waren und daher besonders schöne Stücke direkt von den Eigentümern erwerben konnten.

Die Malangan-Sammlung aus Hiltrup befindet sich nun als Dauerleihgabe im Landesmuseum und wird im Rahmen eines Studioexperiments in einem Kabinettraum der Landesgalerie in ihrer Gesamtheit gezeigt, bevor eine Auswahl in die Dauerausstellung eingebracht wird.

Die Malangan-Sammlung kann im Rahmen des regulären Museumseintritts (5 € | ermäßigt 4 € | Familien 10 €) besucht werden.

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Dieser Artikel wurde verfasst von DvW

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